Tüp ab 1919

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Die militärische Geschichte des Truppenübungsplatzes Königsbrück
seit 1919


Am 8.12.1919 zog die Reitende Abteilung im Neuen Lager ein und wurde am folgenden Tag aufgelöst.
1919 erfolgte die Umbenennung der Königlichen Sächsischen Armee in Deutsche Reichswehr.
Der TÜP bleibt zur weiteren Nutzung erhalten, der Übungsbetrieb wird von der Heeresstandortverwaltung geführt, dazu gehören auch Proviantamt, Baubüro und Lagerlazarett.
1919 Stationierung leichter Reichswehr Artillerie (Grenzjäger Art. Regt. Nr. 12.)
Einweihung des Ehrenmal vor der Stadtschule5.5.1921 Feier zur Enthüllung des Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Sächs. Reit. Artilleristen (vor der Stadtschule - 1946 abgetragen) - das Ehrenmal stellte einen massiven Block dar, in Sandstein gearbeitet, auf granitem Unterbau, nach oben sich verjüngend ca. 21/2 m hoch. Die Vorderseite enthielt die Widmung:

1914-1918
Ihren im Kriege gefallenen und verstorbenen Kameraden zum ehrenden Andenken gewidmet von Offizieren, Reserve-Offizieren und ehemaligen Einjährig-Freiwilligen der Reitenden Abteilung Feldartillerie-Regiments Nr. 12

Auf den Flächen der rechten und linken Seite sind die Namen von 36 Angehörigen der Reitenden Abteilung verzeichnet, die im Kriege den Tod erlitten haben. Nach oben schließt ein Fries, dessen Seiten das eiserne Kreuz schmückt, den massiven Stein ab.

1924 findet am 24. Mai die 2. Wiedersehensfeier ehemaliger Angehöriger der sächsischen Reitenden Artillerie statt.
1927 fand das erste Motorradrennen auf dem TÜP statt, weitere folgten.
Am 16.06.1928 findet auf dem TÜP die Sportplatzweihe (Erler-Kampfbahn) statt, im Norden des Neuen Lagers gelegen, dicht an dem von der Schmorkauer Straße abzweigenden Wege nach Zietsch, mit Rasenplatz und Fußballtoren ausgestattet.
1929 Einweihung des sogenannten Sachsensteines, Gedenkstein für die Gefallenen der königl-sächs. Armee (Der Königlich-Sächsischen Armee XII und XIX Armee Korps und ihren Feldformationen 1914-1918 - Es fielen für das Vaterland 3752 Offiziere, 141 522 Unteroffiziere und Mannschaften - Gewidmet von den Kameraden des Alten und Neuen Heeres).

1932 fand am 27. und 28. August die 25jährige Wiedersehensfeier der ehemaligen Einwohner von Zietsch, Otterschütz und Quosdorf statt. Am Nachmittag des 28. August gab es in Krakau einen historischen Festumzug zu sehen.
Haupttor1933 wird die 2. Eskadron der Fahrabteilung 4 (von Dresden nach Königsbrück) in die erweiterte P-G-K verlegt, mit dem geheimen Auftrag, Nebelwerfer zu testen, am 1.10.1934 wird die Eskadron in Artillerie-Abteilung umbenannt.
1933-1939 werden auf dem TÜP mehr als 20 Truppenteile und Einheiten aufgestellt und dort zeitweilig stationiert, dazu kommen stationäre Einrichtungen
1934 befanden sich in Königsbrück die Kommandantur des TÜP, die Artillerie-Abteilung und eine Nachrichten-Abteilung in ständiger Garnison
Haupttor1935 Wiedereinführung der Wehrpflicht
Am 1.10.1935 erhält die Artillerie-Abteilung die Bezeichnung "Nebel-Abt-1" - erste Einheit zur chemischen Kriegsführung - die Nebel-Abt. 1 wird im 2. WK. nur als Spezialartillerie eingesetzt, kein Einsatz von chemischen Granaten.
14.10.1935 die 1. Batterie wird als "Nebel-Abt. 2" nach Bremen verlegt, die 2. Batterie verbleibt in Königsbrück
1935 Gesetz zur Erweiterung der TÜP
1936 Der Bau des Südlagers im Neuen Lagers wurde genehmigt. Um den TÜP zu erweitern, mußten weitere 7 Dörfer geräumt werden, Termin bis zum 1.4.1938
1938 Weihe eines Gedenksteins zur Erinnerung an die ehemalige Reitende Abteilung des Sächsischen Feldartillerie-Regiments Nr. 12
1938 Erweiterung des TÜP durch die Wehrmacht auf ca. 7800 ha, 7 Dörfer (einschließlich der Rittergüter Steinborn, Schmorkau und Krakau) wurden geräumt:
Bohra (215 Einwohner)
Krakau (478 Einwohner)
Naundorf (142 Einwohner)
Rohna (302 Einwohner)
Dorf Steinborn 1938Sella (120 Einwohner)
Steinborn (402 Einwohner) und
Zochau (143 Einwohner)
Der TÜP ging in die Verwaltung der Wehrmacht über.

1939 sind in Königsbrück folgende Truppenteile und Einheiten stationiert:
Nebel-Abt. 1,
Panzer-Regiment 31/I.,
Sanitäts-Abt. 4 /San.Staffel,
Heeresmunitionsanstalt,
Kommandantur TÜP Königsbrück

Ansichtskarte vom Tuppenbungsplatz 19391940-1945 wurden ca. 20 Ersatzeinheiten aufgestellt und ausgebildet, außerdem wurden ausgebildete Truppenteile und Verbände in die Reserve genommen, aufgefüllt und ausgebildet danach erneut in den Kampf geworfen.
1944 Stationierung der Fahnenjunkerschule der Panzertruppen Ausbildung am Sturmpanzer "Brummbär"
02.1944 Legion "Freies Indien" wird zum Kampf gegen England auf dem TÜP ausgebildet. Die Anzahl der Legionäre und deren Einsatz ist nicht bekannt. Die Legionäre trugen Wehrmachtsuniformen mit Turban.
Im April 1945 Angriff von Wehrmachtseinheiten auf sowjetische Truppen im Neuen Lager, Schmorkau u. Schwepnitz
1945 durch die Sowjetischen Truppen wurden alle militärisch genutzten Flächen und Gebäude in und um Königsbrück besetzt , Sie dehnten das Territorium noch willkürlich aus.
Ansichtskarte vom Tuppenbungsplatz 1940Am 25. 06.1945 erfolgte die Neubesiedlung von Bohra, Steinborn, Krakau und Naundorf durch Flüchtlinge.

3.8.1945 Anordnung vom Ortskommandanten der Roten Armee Königsbrück:
Die zum ehemaligen TÜP Kö gehörenden Dörfer Sella, Krakau, Zochau und Rohna werden aus militärischen Gründen zur Besiedlung nicht freigegeben, die im Dorf Krakau angesiedelten Familien mußten sofort wieder umgesiedelt werden.
1947 wurden die Dörfer wieder geräumt (außer Naundorf)

Die in und um Königsbrück stationierten Einheiten, Truppenteile und Verbände gehörten zur 11. Panzerdivision, die der 1. Gardepanzerarmee Dresden unterstellt war.
Es waren stationiert:
Panzerregiment 40 und 44,
Panzerinstandsetzungs- und Bergebataillon,
Panzerjägerbrigade 112
1967 Baubeginn Panzerkaserne Röhrsdorf, Erweiterungsbau im Neuen Lager, Kfz und Panzerhallen, Ausbau des TÜP zum modernen Manövergelände und Schießplatz von der Pistole über Panzer, Artillerie bis zur Rakete.
Es wurde Ausbildungs- und Übungsgelände für Kampfhubschraubereinheiten und Luftlandetruppen geschaffen.
In den letzten Jahrzehnten wurden Raketenbasen mit den dazugehörigen Leit- und Nachrichtensystemen errichtet (Führungsbunker für den atomaren Kriegsfall auf dem TÜP- wahrscheinlich zur Führung der 1. Gardepanzerarmee im Kriegsfall)
1984 erfolgte die Stationierung der ersten mit Atomsprengköpfen ausgerüsteten SS 22 und OD 23 Mittelstreckenraketen, einschl. Lagerung von Kernsprengköpfen.

1989 Unglücksfall in Königsbrück: 2 Kinder werden bei Experimenten mit herumliegenden Regenerierungspatronen für Panzertauchrettungsgeräte getötet und ein weiteres schwer verletzt.

Durch die politische Wende Ende 1989 ergaben sich völlig neue Bedingungen für die Zukunft der hier stationierten sowjetischen Truppen.
In der Zeit bis zum endgültigen Abzug gab es massive Bürgerbeschwerden über den nächtlichen Schießbetrieb und der damit verbundenen Lärmbelästigung aus den umliegenden Gemeinden - Unterschriftensammlungen fanden statt.
26.04.1990 Autocorso mit anschließender Kundgebung gegen die weitere militärische Nutzung des TÜP
1990 Vertrag zwischen BRD und UdSSR über den Abzug der Sowjetarmee aus Deutschland "2+4 Vertrag" Art. 4 - alle Truppen der 1990 noch existierenden SU werden bis Ende des Jahres 1994 das Territorium der ehemaligen DDR verlassen.
5.-25. 12.1990 Räumung des Alten Lagers.
Der Landkreis Kamenz und die umliegenden Gemeinden setzten sich mit Nachdruck für die zivile Nutzung des TÜP ein.
Im August 1992 verlassen die letzten größeren Einheiten der Westtruppe der GUS-Streitkräfte das Gelände.
Am 23.09.1992 gibt die Bundeswehr bekannt, den Übungsplatz einer zivilen Nutzung zu überlassen.
Im Oktober 1992 übernimmt das Bundesvermögensamt Dresden den TÜP.
Mit Wirkung vom 6.10.1992 erfolgt eine einstweilige Sicherstellung des größeren Teiles des TÜP "Königsbrücker Heide" als Naturschutzgebiet durch das Regierungspräsidium Dresden.
10.10.1992 Dankgottesdienst auf der Königshöhe (85 Jahre TÜP)
1993 wird ein Pflege- und Entwicklungsplan durch das sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie erarbeitet.
Mai 1994 ABS auf dem TÜP und NL mit den schwierigen Sicherungs-, Aufräumungs- und Abrißarbeiten beschäftigt (ca. 130-200 Mitarbeiter)
Im August 1994 übernimmt der Freistaat Sachsen das gesamte Gelände vom Bund. Als Flächenverwalter wird die Sachsen LB Immobiliengesellschaft mbH bestimmt, gleichzeitige Eingliederung des Geländes in das Forstrevier Laußnitz der Forstdirektion Bautzen.
1995 Die Stadt Königsbrück will einen Bebauungsplan für das Gebiet des Neuen Lager ausarbeiten lassen.
Im Oktober 1996 wird per Gesetz das Gebiet der "Königsbrücker Heide" (ca. 7000 ha - des ehemaligen TÜP) als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Am 1.1.1997 übernimmt die Oberfinanzdirektion Chemnitz die Verwaltung der Liegenschaften.
Am 17. April 1997 wird das gesamte Naturschutzgebiet (7500 ha) an die Stiftung "Wald für Sachsen" für symbolisch 1 DM verkauft.
1998 erarbeitet die GKS ein Nachnutzungskonzept für das Neue Lager. Die Stadt Königsbrück kauft ein Teilgebiet (53 ha) des Neuen Lagers.
Am 17. November 2000 findet im Bereich des Neuen Lagers ein großes Hexenfeuer, zum Abschluss der Abbrucharbeiten, statt. Veranstalter sind GKS und Stadt Königsbrück